Wie lange soll ich noch kämpfen?

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sally
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Wie lange soll ich noch kämpfen?

Beitrag von sally » Fr 9. Nov 2007, 19:46

Hallo an alle,
ehrlich gesagt, bin ich grad echt verzweifelt. Ich (43 Jahre) bin geschieden, 3 Kinder (20 m,19 m,12 w) - mein jetziger Mann (57 Jahre) hat 2 Söhne (31, 30). Vor 7 Jahren sind meine kids und ich zu meinem Mann in sein Haus gezogen. Seine beiden Söhne wohnten schon damals nicht mit uns in diesem Haushalt, inzwischen ist auch von mir 1 Sohn (berufsbedingt)ausgezogen. Eigentlich dachte ich immer, wir sind wie eine "normale" Familie, schliesslich läuft da auch nicht immer alles ohne Schwierigkeiten. Aber seit ein paar Wochen habe ich das Gefühl, dass bei uns wohl doch einiges schief gelaufen ist. Ich muss mir grad selbst den Vorwurf machen, dass ich bisher die Augen vor der Realität geschlossen habe. Dass meine Kinder für meinen Mann nicht die Gefühle haben wie für Ihren eigenen Vater, das ist mir klar - umgekehrt natürlich genauso. Trotzdem hatte ich immer den Eindruck, dass jeder den anderen mag. Ich denke, dass wir mit all den täglichen Problemem wie jede andere Patchworkfamily zu kämfen haben. Aber irgendwie hab ich in den letzten Wochen und Monaten die jetzge Entwicklung in diesem Haus verpennt, sonst hätte ich schon früher versucht was zu ändern. Mir ist leider etwas spät klar geworden, dass hier jeder für sich alleine wurstelt. Meine Tochter giftet gegen meinen Mann, mein Mann giftet gegen meine Tochter. Mein Mann sagte mir, er fühlt sich hier in seinem eigenen Haus nicht mehr wohl, weil er sich von meinen Kindern nicht mehr akzeptiert fühlt, während ich diesen Eindruck nicht habe. Frage ich meine Kinder, haben sie das Gefühl, dass sie meinem Mann im Weg sind. Und so geht das hin und her. Ich bin (typisch Frau) sehr harmoniebedürftig und versuche, zwischen allen zu vermitteln. Ich kann nicht erkennen, wo das eigentliche Problem liegt. Ich weiss nur, dass im Moment bei uns was am Laufen ist, das mir überhaupt nicht behagt. Ich bin so traurig, weil ich gemerkt habe, dass meine Erwartungen zu hoch waren, wir sind keine Familie. Mein Mann sagte mir in einem Streitgespräch, dass wir dies doch auch noch nie waren. Ich bin (bzw. wir) in einem Teufelskreis, aus dem ich grad nicht raus komme. Ich will nicht akzeptieren, dass diese Kälte, die ich hier spüre anhalten soll. Aber ich hab auch keine Ahnung, wie ich irgendwas innerhalb unserer Familie auf einen Nenner bringen soll. Die unterschiedlichsten Vorstellungen unsererseits, wie wir unser Wochenende verbringen ( das betrifft nur noch meinen Mann, meine Tochter und mich) rufen bald Panikattacken in mir hervor ! Einer von den beiden zieht immer ein langes Gesicht!
Ich stehe die ganze Zeit dazwischen und ich weiss nicht mehr weiter. Das Ganze zermürbt mich! Ich möchte so gerne für eine Entspannung kämpfen, aber eigentlich hab ich jetzt keine Kraft mehr.
Übrigens: Mein Mann und ich haben nach 10 Jahren sehr harmonischer Beziehung erst letztes Jahr geheiratet. "Unsere" 5 Kinder haben sich alle darüber gefreut - mein Mann und ich wir lieben uns und eigentlich kann jeder jeden leiden - warum ist da jetzt der Wurm drin?
liebe grüße
sally

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Thomas Gerling-Nörenberg
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Antwort an Sally

Beitrag von Thomas Gerling-Nörenberg » So 18. Nov 2007, 14:26

Hallo Sally,

Schön, dass Sie sich hier in unserem Forum gemeldet haben.

Sie hören sich sehr verzweifelt an. Eine Patchworkfamilie, das ist meine Erfahrung, ist immer anders als eine "normale" oder Ursprungsfamilie. Zur Bewältigung der Alltagsaufgaben ist viel Kraft und Energie von allen Beteiligten erforderlich.
Ein wichtiges Merkmal zum Gelingen des Miteinanders ist das Gespräch am "runden Tisch". Sie müssen mehr als in der Kleinfamilie, auf gute Absprachen, regelmäßigen Austausch - eine gut funktionierende Kommunikation achten. Das ist die Aufgabe der Erwachsenen. Vielleicht können Sie darüber mit Ihrem Partner sprechen und ihn dazu gewinnen. Dazu kommt ja auch die beginnende Pubertät Ihrer Tochter. Sind die Umgangskontakte Ihrer Tochter zum leiblichen Vater unproblematisch? Dann wäre ja schon ein "Störfaktor" ausgeschlossen.

Das "dazwischenstehen" ist ja wirklich sehr anstrengend und kostest viel Kraft. Vielleicht ist es für Sie in der jetzigen Situation hilfreich, mal für sich zu sorgen. Gönnen Sie sich eine Auszeit, um wieder Energie "aufzutanken".

Eine andere Möglichkeit wäre, sich am Ort an eine Beratungsstelle zu wenden, mit der Option, mehr Klarheit für die jetzige belastende Situation zu erarbeiten. Dann sollten Sie für sich überlegen, ob es Sinn machen würde, diese Beratung gleich mit Ihrem Partner zu beginnen; evtl. auch mit Ihrer Tochter.

Frohen Gruß
Thomas Gerling-Nörenberg

sally
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Beitrag von sally » Di 27. Nov 2007, 20:05

Lieber Thomas,
ich danke für Ihre Antwort. Tja, grad heute bin ich mal wieder ganz schön enttäuscht, das macht mich so traurig. Ich werde in den Weihnachtsferien, wenn wir alle etwas mehr Ruhe haben, mal versuchen, so einen "runden Tisch" einzuführen. Auf jeden Fall möchte ich die Situation so nicht weiter aushalten müssen.
Vielen Dank nochmals für Ihren Rat, allen anderen Forumteilnehmern wünsche ich alles Gute.
sally

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